Doping – Beschaffungswege

Anabole Steroide und ihre Beschaffungswege

Das Bild zeigt einen Mann, der eine Ampulle hochhält, in der anabole Steroide sein sollen. Diese könnten aus einem U-Lab oder auch Untergrund Labor stammen, da kein Etikett zu sehen istIn den Doping FAQ ging es um Steroide selbst. In diesem Teil wollen wir uns der Beschaffung und Reinheit der angebotenen Substanzen widmen.

Solange der Leistungsgedanke existiert, werden auch Anabolika konsumiert. Ob mit EPO, Testosteron oder Wachstumshormonen, schon immer haben Sportler versucht, sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.

Viele Sportler geben das auch zu und begründen es damit, dass alle es tun und sie so gezwungen wären, auch zu dopen, um mithalten zu können (wer erinnert sich beispielsweise nicht an den tränenreichen Auftritt von Radprofi Erik Zabel).

Da die meisten von uns aber wohl kaum im Spitzensport zu Hause sind, sollte man sich vielleicht einmal den Unterschied zwischen einem Leistungssportler und einem Breitensportler anschauen.

Ein Spitzensportler hat um sich ein Team hochqualifizierter Ärzte und Betreuer, die genauestens Buch führen über jeden Aspekt des Trainings, der Ernährung und eben auch allem, was man unter dem Begriff „medizinische Versorgung“ zusammenfassen kann.

Die Beschaffungswege sind klar und die Einnahme läuft kontrolliert unter ärztlicher Aufsicht ab. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass der Breiten- oder Fitnesssportler diese Möglichkeiten nicht hat. Schauen wir uns deshalb einmal an, wie die Beschaffung dort aussieht.

Beschaffungswege des Breitensportlers

Der Weg zu illegalen Substanzen führt in der Regel über das Studio oder den Verein. Irgendjemand hat immer Zugang zu Anabolika. Sei es, weil er selbst Anwender ist oder weil er über Kontakte in die richtigen Kreisen verfügt.

Irgendwann wird man dann angesprochen oder fragt im Zweifelsfall selbst nach. Ist man lange genug Mitglied und somit „vertrauenswürdig“, wird man auch Zugang zu den gewünschten Stoffen erhalten. So weit so schlecht. Denn es muss die Frage erlaubt sein:

Woher kommen illegale Anabolika?

Glaubt man den Studien des Sportwissenschaftlers Prof. Alessandro Donati, konsumieren weltweit etwa 15 Millionen Freizeit- und Fitnesssportler Anabolika. Das sind etwa 700 Tonnen(!) anabole Steroide.

In Deutschland verabreichen sich über 200.000 Sportler Steroide, so das Bundesministerium für Gesundheit. Das sind fraglos erschreckend hohe Zahlen.

Die Zahl der herstellenden Firmen wiederum ist im Vergleich dazu klein. Und darin liegt die Crux. Denn es wirft die Frage auf: woher sollen denn die ganzen illegalen Substanzen für eine so große Anzahl von Sportlern kommen?

Gibt es wirklich Menschen, die allen Ernstes glauben, dass die Pharmaindustrie nebenbei einen florierenden Schwarzmarkt-Handel betreibt? Mit Verlaub, das ist völliger Quatsch.

700 Tonnen Steroide für 15 Millionen Sportler? Das gibt die Pharmaindustrie niemals her. Schon gar nicht über einen schwarzen und grauen Markt.

99,9% aller illegalen Doping Substanzen kommen aus Untergrund Laboren, sogenannten U-Labs. Dort werden irgendwelche Zutaten aufgekocht, in Ampullen gefüllt und mit einem Etikett versehen. Der Inhalt wird dann von Sportlern ohne genaue Kenntnis über Art und Zusammensetzung der enthaltenen Stoffe in den Körper gespritzt.

Nur selten erhalten Käufer von Anabolika auch wirklich die Ware, welche auf dem Etikett steht. Darin liegt eine Gefahr, die von niemandem zu überschauen und schon gar nicht zu kalkulieren ist. Zu all den Nebenwirkungen, die Anabolika zweifelsfrei haben können, kommen nun weitere hinzu, deren Ursache man nicht einmal kennt.

Wenn wieder einmal eine Lieferung verbotener Substanzen von der Polizei beschlagnahmt wird, werden diese analysiert und deren Ergebnisse veröffentlicht. Das traurige Ergebnis:

Alle auf dem Schwarzmarkt befindlichen Präparate sind Fälschungen. Kaum eines enthält den tatsächlichen Gehalt an Wirkstoffen, geschweige denn den deklarierten Wirkstoff selbst. Wundert sich da noch jemand über die hohe Anzahl der Todesfälle in Verbindung mit Doping?

Fazit

Anabole Steroide und Wachstumshormone haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Jedenfalls solange sie von einer kleinen Elite des Sports konsumiert werden, die sowohl wissen, was sie da tun, als auch bereit sind, das dazu nötige Risiko einzugehen.

Ob und wie oft oder in welchen Mengen muss dabei jeder einzelne für sich selbst entscheiden. Ein pauschales Verurteilen steht niemandem von uns zu.

Was man aber sicher sagen kann ist: Doping im Breitensport ist nicht nur unnötig, sondern aufgrund der vielfältigen Nebenwirkungen, der so gut wie bei keinem erreichten naturalen Grenze und mangels klarer Beschaffungswege einfach nur gefährlich und sollte deshalb definitiv unterlassen werden.

Wer sich wirklich ausführlich mit dem Thema Doping beschäftigen möchte, dem sei das Buch Schwarzbuch Doping* ans Herz gelegt. Es ist gerade noch an der Grenze zum medizinischen Fachjargon, überschreitet diese aber nicht, weswegen es sich sehr kurzweilig liest.

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